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Atelier im Salong


Selcuk Dizlek lässt seine Vierkant-Elemente im Kunstverein die Wand hochwachsen


Zwei Wochen vor der Vernissage ist Selcuk Dizlek ein wenig genervt. Die Firma, die ihm noch einmal Vierkanteisen liefern sollte, hat die falschen gebracht. Das Arbeiten mit dem elektrischen Fuchsschwanz, mit dem er die sechs Meter langen Stäbe auseinander- sägt, geht langsamer voran als mit der Flex. Aber die darf er hier im Salong des Kunstvereins nicht benutzen. Brandgefahr. Und die Montage an der Wand ist auch sehr aufwendig. Also wird Dizlek einige Nachtschichten einlegen, denn die Installation soll unbedingt im Katalog abgebildet sein und der muss zur Eröffnung der Ausstellung am 2. Februar natürlich fertig sein.

Aber abgesehen davon ist der 35-jährige Künstler sehr glücklich, seinen Traum endlich auch in seiner Heimatstadt Schweinfurt erfüllen zu können: Seit er als Student das flexible System aus Vierkant-Elementen entwickelt hat, mit dem er auf jeden beliebigen Raum reagieren kann, träumt Dizlek davon, sein mobiles Atelier dort aufzubauen, wo er eingeladen ist und dann vor Ort die dunklen „Linien“ aus Vierkanteisen wachsen zu lassen. Im Schloss Wertingen beispielsweise wuchsen sie wie Schlingpflanzen eine Säule hoch, in Schwabach krochen sie wie ein seltsames Tier aus einem Gully heraus. Manchmal erinnern seine Installationen an reduzierte Computerzeichnungen, dann nehmen sie wieder ornamentale Formen an oder liegen wie ein Häufchen am Boden.

Für die Ausstellung im lang gestreckten Salong hat sich Dizlek für eine sehr strenge Form entschieden. In der Mitte des Raums laufen die eisernen Linien die Wände hoch, manche erstrecken sich über die Decke, andere ragen ein wenig in die Luft. Zwei Wochen vor der Eröffnung war noch unklar, ob die Linien und kleinen Häufchen, die wie beiläufig am Boden liegen, so bleiben können. Erfahrungsgemäß drängen sich bei den Vernissagen viele Menschen im Salong und die Fluchtwege müssen frei bleiben.

Dizlek hat der Installation den Titel „salong in process“ gegeben. Trotz der aufwendigen Montage – gerade an der Wand – und des eigentlich schweren Materials Metall wirkt die Arbeit beweglich, offen und filigran. Das ist ihm sehr wichtig. Fast alle Arbeiten des Künstlers lassen sich verändern und der jeweiligen Situation anpassen. Starre Formen ohne Potenzial zur Entwicklung interessieren ihn nicht. Und er sieht in seinen Arbeiten durchaus eine Gegenposition zur unbeweglichen Monumentalität vieler Skulpturen.

Das gilt auch für seine Wandobjekte aus Plexiglas, die auch zu sehen sind. Vor einigen Jahren hat Selcuk Dizlek neben dem Raum die Fläche entdeckt. Seitdem schafft er mit großer Präzision Objekte, die in Richtung Zweidimensionalität gehen: Kästen mit beweglichen farbigen Plexiglasscheiben, die sich zu immer neuen Bildern verschieben lassen oder Lichttextur-Objekte, die an Gewebemuster erinnern.

Als Titel für die Ausstellung – es ist seine erste in Schweinfurt – hat Dizlek die Wortschöpfung „Flexime“ gewählt, ein Zwitter aus den Begriffen Maxime und Flexibilität. Man könnte sagen, die Maxime seiner Arbeit ist die flexible Verbindung. Dass auch das Wort „Flex“ drin steckt, das Werkzeug, mit dem er gerne arbeitet, ist ein netter Zufall.

„Flexime“, Installation und Objekte von Selcuk Dizlek, Salong des Kunstvereins. Eröffnung 2. Februar, 19 Uhr. Zu sehen bis 26. Februar. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Quelle:http://www.mainpost.de/regional/schweinfurt/Atelier-im-Salong;art17957,6581070