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Beglückendes Licht


„Leuchtstücke“ von Selcuk Dizlek in der BBK-Galerie


In wenigen Tagen ist eine der bemerkenswertesten Würzburger Ausstellungen dieses Herbstes vorbei: „Leuchtstücke“ von Selcuk Dizlek. Für die Präsentation seiner Arbeiten ist die Galerie des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK) Unterfranken im Kulturspeicher BBK-Galerie komplett abgedunkelt. Denn nur bei völliger Dunkelheit kommen die Licht-Objekte, die der Schweinfurter Künstler Selcuk Dizlek hier zeigt, voll zur Geltung.

Die optisch ungemein spannenden Installationen und Objekte sind allein schon in technischer Hinsicht interessant: Denn die bunten Dinge, die hier in der Finsternis die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, leuchten zumeist gar nicht selber. Sie reflektieren das UV-Licht, das aus den Röhren kommt, die der Künstler extra statt des Neon-Lichts an die Decke montiert hat. Was da von den Wänden so farbenfroh in der Schwärze des Raumes strahlt, ist fluoreszierendes Plexiglas. Aus diesem Material schneidet Dizlek schlanke Streifen, Quadrate und Rechtecke, die er dann in Kästen und Leisten aus Holz oder Metall auf Schienen neben- und hintereinander schiebt. Weil sich diese Scheiben, wie bei einem Schränkchen mit Fronten aus Plexiglas, auch im Endzustand hin und her schieben lassen, bieten viele von Dizleks Arbeiten eine Fülle von Variationsmöglichkeiten. Eine ganz andere Art der Gestaltung hingegen zeigen die beiden Werke „Gewebtes Licht I und II“, in die jeweils knapp 300 LEDs und ein spezielles, Licht leitendes Gewebe verarbeitet wurden.

Mit ihrem starken Kontrast zum dunklen Raum und ihrer kräftigen Farbigkeit bereiten die Installationen einen visuellen Genuß, angesichts dessen sich die Frage nach dem, was das Ganze eigentlich soll, zunächst einmal nicht unbedingt stellt. Der türkischstämmige Dizlek, der 1976 in der unterfränkischen Kugellagerstadt geboren wurde, möchte dem Betrachter keine Vorgaben machen (…). Angeregt werde er vielfach von „urbanen Formen, die man immer so im Hinterkopf hat“, so Dizlek.

Freilich: Mit seinem eigens für diese Ausstellung in der BBK-Galerie gefertigten, eine ganze Wandbreite einnehmenden leuchtenden Streifen-Gebilde namens „Lightmobilé“ nimmt er bewusst Bezug zur Umgebung. „Wenn sich jemand dadurch an die Fassade des Kulturspeichers erinnert fühlt, wäre mir das schon recht“, sagt er.

„In meinen Arbeiten ist Flexibilität sehr wichtig“, sagt Dizlek. Und so lassen sich aus den optischen Mobilé-Elementen aus Plexiglas, mit denen er in Würzburg auf die Architektur des Kulturspeichers anspielt, auch ganz andere Installationen schaffen.

Indes überrascht es schon, daß der Künstler aus denselben Bestandteilen, nur in einer anderen Anordnung, im vergangenen Jahr in der ehemaligen Synagoge im mittelfränkischen Schwabach bei den dortigen Schwabacher Kunsttagen ein Werk namens „Menora Mobilé“ schuf. Bei jener Installation ging Dizlek von seinem Verständnis der Symbolik der Menora, des traditionellen siebenarmigen jüdischen Leuchters aus: Wie der Schaft, die zwei Hauptstränge und die Arme der Menora in alle Richtungen weisen würden und damit Wachstum ausdrücken würden, so auch sein Mobilé, so Dizlek. Das religiöse Motiv der jüdischen Tradition transformierte er in die künstlerische Form, die sowohl in Schwabach wie auch bei seinen Würzburger Arbeiten in der BBK-Galerie ins Inhaltliche umschlägt, sofern man sich die Zeit zur Auseinandersetzung mit seinen Arbeiten nimmt. Im Übrigen hat dieses Inhaltliche nur wenig mit dem zu tun, was wie man so Spiritualität nennt. Um so mehr aber mit der beglückenden Wahrnehmung des expressiven Gegensatzes von Dunkelheit und farbigem Licht und den vielfältigsten Assoziationen, zu denen Dizleks Werke anregen.


Frank Kupke

in „Nummer 79 – Zeitschrift für Kultur in Würzburg und weiteren magischen Orten“, 2012