Barbara Kahle

Selçuk Dizlek
Leuchtende Kunst-Stücke

Ein schwarzer Raum mit farbig leuchtenden Objekten, die eine faszinierende Strahlkraft verbreiten – diese Installation bei der Triennale IV, „Raumzustände – Bildhauerei heute" überzeugte die Jury, Selçuk Dizlek zum Sieger zu küren. Die damit verbundene Einzelausstellung ermöglicht nun einen Einblick in den gesamten Kunstkosmos des in Schweinfurt ansässigen Künstlers.

Selçuk Dizlek ist Bildhauer, allerdings nicht im klassischen Sinne des Gestaltens mit Masse, Volumen, Gravitation. Seine Maxime ist vielmehr das Mobile, das flexible System, das in unterschiedlichsten Materialien wie Beton, Eisen, Messing, Plexiglas zu eigens dem Ausstellungs-Raum angepassten Installationen zusammenfügt wird.

Das formale und inhaltliche Gesamtkonzept, das sich mit Flexibilität umschreiben lässt, bindet die einzelnen Werke zusammen. Dizleks Skulpturen sind geometrisch abstrakt, haben ihren Bezugspunkt in den Traditionen der Konkreten Kunst. Die Visualisierung von Systemen, das Augenmerk auf Farben, Formen, Linien und auf eine innere bildnerische Logik sind gewichtige Inhalte der Arbeiten, die dabei aber nicht kühl und spröde, sondern spielerisch daherkommen und immer auch die Aktivierung des Betrachters mit einbeziehen.

Eine markante Position in der großen Halle besetzt ein Einbau, der die Verhältnisse umkehrt. In den weiten hellen Museumsraum tritt eine dunkle geschlossene Schwarz-Licht-Kammer, in der farbiges Licht quasi frei gelassen wird, es darf leuchten, strahlen; Sinnlich-Emotionales umfängt die Besucher.

Nicht immer genau fassbare, sich ständig verändernde Wirkungen des Lichts, leuchtende Farbreflexe auf der Wand, weiche diffuse Farbfelder verändern die gesamte große Kunsthalle.

Mit Licht gestalten ist ein zentrales Thema von Selçuk Dizlek. Bevorzugtes Material sind vorgefertigte Plexiglasscheiben, deren Materialeigenschaften wie Lichtdurchlässigkeit, Lichtleitfähigkeit und Transparenz neuen Wahrnehmungserfahrungen entgegen kommen.

Untrennbar damit verbunden ist der Einzug von Farbe in das Werk von Dizlek, verwendet er doch vorwiegend getönte Scheiben oder auch Vierkantstäbe, pastellig, fluoreszierend, opal und opak. Kennzeichnend für die Arbeitsweise Dizleks ist, dass sämtliche Teile von ihm selber geformt, verformt, geschnitten, gesägt, geschraubt und zusammengefügt werden.

Die Tondi, die nach 2010 im Werk auftauchen, erinnern an runde geschlossene Schachteln, bei denen die vordere transparente Plexiglasscheibe wie ein Lichtfilter wirkt. Die Arbeiten beginnen zu vibrieren, schwingen ungreifbar in den Raum aus.

Eindrucksvolle Lichtarbeiten sind die „Kästen", bei denen farbige Plexiglasscheiben versetzt hinter- und nebeneinander in ein kastenartiges Gerüst geschoben sind. Durch die unterschiedlich farbigen Platten ergibt sich je nach Betrachterstandort eine unendliche Fülle an Farbmischungen, an farbigen Lichtspielen.

Abschließend lässt sich mit einem Zitat seines Künstlerkollegen Gerhard Rießbeck zusammenfassen: „Selçuk Dizlek ist ein ‚unorthodoxer Vermischer' geworden, wahrscheinlich auch schon immer gewesen, denn als klassischen Bildhauer habe ich ihn nie erlebt. Er ist einer, der zusammenbringt, was leicht als nicht vereinbar erscheint: die Bildhauerei mixt er mit der Farbe, das Wandobjekt lässt er raumgreifend ausstrahlen, die strenge Logik unterläuft er durch Intuition, die klare Form entzieht er durch Farbschleier, das Statische erhält Dynamik."